Ideenpool – Schule in herausfordernder Lage

Generalisierbare Lösungen für eine pädagogisch sinnvolle Öffnung der Schule wird es in den nächsten Wochen nicht geben können, da die individuellen Voraussetzungen zu unterschiedlich sind (siehe u.a. Interview mit Hans Brügelmann: Bildungsexperte über Schulöffnungen: „Unterricht für alle anbieten“). Entsprechend haben wir in unserer Petition Güterabwägung in der Krise auch gefordert, nicht nur allgemeine Rahmenbedingungen zu setzen, die dann mehr oder weniger gut vor Ort erfüllt werden können, sondern eine Dezentralisierung der Entscheidungen, damit lokal angemessener reagiert werden kann: „Ein solcher Impuls von der Bundesebene könnte von der Zivilgesellschaft und den Landesbehörden aufgenommen werden, die dann die lokalen Schulbehörden beauftragen, um gemeinsam mit den Kommunen, Schulen und Schulträgern Lösungen vor Ort zu suchen und die Lehrkräfte sowie alles im Bildungssystem tätige pädagogische Personal dabei zu unterstützen.“
In den Reaktionen auf unsere Petition (z.B. Diskussion zum Artikel „Schulöffnungen: Eine kreative Lösung wäre möglich gewesen“) wurde deutlich, dass viele derzeit nach kreativeren Lösungen suchen. Wir möchten auf dieser Webseite daher einen Ideenpool anlegen, von dem wir dann hoffen, dass er in den Diskussionen der Bildungspolitik aufgegriffen wird. Uns ist dabei bewusst, dass viele der Vorschläge, die kommen werden, zunächst einer juristischen oder epidemiologischen Prüfung unterzogen werden müssen. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass es erst einmal dieser Gedankenexperimente bedarf, um der Politik zu verdeutlichen, wie viel Kreativität vor Ort notwendig sein wird und welche Bedarfe sich zeigen.

Untenstehend finden Sie unter dem Formular die ersten Ideen. Diese sind jeweils in einem Dreischritt formuliert:

  1. Herausforderung
  2. Bearbeitungsidee (ggf. juristisch und/oder epidemiologisch zu prüfen)
  3. erhoffte Effekte.

Weitere Ideen können Sie gern über das unten stehende Formular oder per E-Mail an petition@gueterabwaegung-in-der-krise.de einsenden.

Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir nicht unmittelbar auf jeder Einreichung reagieren können, da wir alle derzeit eigentlich eingespannt sind in andere Tätigkeiten. Wir hoffen aber, dass sich diese Idee durchsetzt und wir dann einen großen Pool an Ideen als ergänzendes Dokument zu unserer Petition an den Bundestag nachreichen können.

Ihre Einreichung für den Ideenpool


Freiwilige persönliche Angaben




Ideenpool

Themen in folgender Reihenfolge: psychische Entlastung, Zeit und Ort, Kontakt halten, Abstand halten, Ungleichheit vermeiden (z.B. Inklusion, technische Ausstattung), Hygiene

Dossier der OECD zum Thema (auf Englisch)

  • Herausforderung: gute Schulorganisation und Kommunikationsstrukturen schaffen
  • Bearbeitungsidee: Auf S. 5f. eine Reihe von Ideen
  • erhoffte Effekte: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Umsetzbarkeit insbesondere auf Seite der SchülerInnen erhöhen

Psychische Entlastung / Motivation

Vorschlag von Prof. Dr. Martin Heinrich (Universität Bielfeld):

  • Herausforderung: Viele Schüler*innen empfinden derzeit ohnehin hohen psychischen Druck, dieser sollte nicht noch durch vermeidbaren Leistungsdruck verstärkt werden.
  • Bearbeitungsidee: Zumindest (!) für alle Schüler*innen, die sich nicht in einem Abschlussjahrgang befinden (der Großteil der Schülerschaft), könnten die Zeugnisse für dieses Schuljahr ausgesetzt werden. Alle Schüler*innen erhalten einen Bescheid über die Versetzung ohne Angabe von Noten! Nur, wenn für alle deutlich ist, dass es keine Noten geben wird, können sich auch Schüler*innen vom Vergleich mit Leistungsstärkeren entlastet fühlen.
  • erhoffte Effekte: Entlastung vom Leistungsdruck für das restliche Schuljahr. Keine weiteren negativen Konsequenzen für die weitere Schullaufbahn.

Vorschlag von N.N.:

  • Herausforderung Motivation: Schüler haben bei Bearbeitung von Homeschooling-Arbeitsblättern oder Hausaufgaben z.T. niemanden zum Fragen und geben in der Folge frustriert auf
  • Bearbeitungsidee: Lehrer*innen erklären in kurzen Videos die Arbeitsblätter oder erklären neue Lerninhalte, erst dann arbeiten die Schüler*innen selbstständig,
    denkbar wäre auch Videokonferenzen, in den die Arbeitsblätter gemeinsam bearbeitet werden, und die Möglichkeit für Rückfragen gegeben ist
  • erhoffte Effekte: Kindern erfahren, dass auch andere dieselben Fragen und Probleme haben, und fühlen sich nicht mehr so allein,
    Kinder bekommen praktische Unterstützung bei ihren Fragen auch wenn die Eltern als Hilfe aus zeitlichen oder anderen Gründen die Fragen nicht beantworten können.
    direkte Rückmeldung an den Lehrer/ Lernbegleiter ob Aufgaben zu leicht/ zu schwer sind und wo Probleme liegen.

Zeit und Ort

Vorschlag von em. Prof. Dr. Hans Brügelmann (Universität Siegen):

  • Herausforderung: Alle sind sich einig, dass die Schulen geöffnet werden müssen – aber langsam. Das bedeutet Auswahl: Die einen favorisieren die abschlussnahen Jahrgänge, andere sehen die besonderen Bedürfnisse jüngerer Kinder. Aus unserer Sicht muss sich die Schule vor allem um diejenigen kümmern, deren Familien – aus welchen Gründen auch immer – mit der ganztägigen Betreuung der Kinder und einer Unterstützung der schulischen Bildungsangebote überfordert sind. Wie aber werden die anderen versorgt?
  • Bearbeitungsidee: Man könnte Lernzirkel außerhalb der Schule organisieren. Auch wenn man damit nicht alle erreicht, so doch einige, die die Schule (oder die KITA) alleine zurzeit nicht aufnehmen kann. So können sich 2-5 Kinder oder Jugendliche zusammentun und als geschlossene Kleingruppe die von den Schulen aufgetragenen Aufgaben gemeinsam bearbeiten – je nach Wohnsituation bei einer Familie, die viel Platz und auch ein hygienisch aufgerüstetes Gäste-WC hat, oder reihum. Denkbar ist auch eine Betreuung durch andere Erwachsene aus der Nachbarschaft oder aus einem Verein (s. den Tipp im Ideenpool von Martin Heinrich zur Aktivierung ungenutzter öffentlicher Räume). Wichtig wäre, dass die Zusammensetzung dieser zivilgesellschaftlich organisierten Lernzirkel konstant bleibt, dass für das Zusammensein GEMEINSAM klare Regeln vereinbart werden und dass es eine Aufsicht durch Erwachsene gibt. Solche Gruppen könnten auch andere Aktivitäten gemeinsam unternehmen: Fitnesstrainings, Musik hören, vorlesen und über die Lektüre diskutieren u. ä.
  • erhoffte Effekte: Lernen wird wieder zu einer sozialen Aktivität – und damit die Motivation, sich auf Aufgaben einzulassen, höher. Außerdem: Unterschiedliche Lösungswege zu einer Aufgabe miteinander austauschen, Unklarheiten mit anderen besprechen,  einander Dinge erklären, intensivieren das Lernen auch fachlich. Zudem werden die Beziehungen in der Familie entlastet durch das Zusammensein mit fremden Kindern.

Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Schulgebäude als einziger Bildungsort?
  • Bearbeitungsidee: Beitrag zum Infektionsschutz, der auch im Sinne einer an Bedarfslagen ausgerichteten Bildungsstrategie ist: Auf-/Ausbau von Mischformen des Unterrichtens. Vorschlag wäre hier eine stärkere Verschränkung von schulischem Präsenzunterricht mit außerschulischen Lernarrangements. Ein denkbarer Weg wäre, wohnortnahe Möglichkeiten der Beschulung auszuloten und auf-/auszubauen. Könnte z.B. an bestehende Strukturen intersektoraler Vernetzung von außerschulischen, wohnortnahen Bildungs- und Betreuungsangeboten anschließen. Weitere kreativere Lösungen wären z.B. ein “Zweckentfremdung” von derzeit brachliegenden Räumen (Restaurants, Vereinsheime), die für Kleingruppen geeignet sind, Verpflegungsmöglichkeiten anbieten.
    erhoffte Effekte: weniger Mobilität, weniger Kontaktdichte (vergleichen mit täglichem zur Schule gehen, in der Schule sein), andere Lernmöglichkeiten, Inbetriebsetzung von ungenutzten räumlichen Ressourcen

Simulation Ansteckungsrate beim gemeinsamen Lernen in Kleingruppen

In dieser Simulation wird das Lernen in Klassenstärke in einem Raum (links) dem Lernen in kleinen Gruppen (rechts, nicht unbedingt in der Schule, sondern räumlich getrennt) dargestellt. Die Verbindung zwischen den Räume steht für die eingeschränkten aber realistisch bestehenden Kontaktmöglichkeiten der Kinder untereinander.
Durch den Unterricht in stabilen Kleingruppen könnte der Kontakt zwischen Kindern ermöglicht werden und dennoch eine Verlangsamung der Infektionsrate erreicht werden.
Die Simulation wurde nicht von Epidemiolog*innen und Virolog*innen erstellt, sondern ist eine komplexitätsreduzierte modellhafte Darstellung, angelehnt an bereits veröffentlichte Simulationen.

Ausführlich beschrieben wird die Umsetzung der Rotation von Kleingruppen an der Universitätsschule Dresden im Artikel Die Maßnahmen unter Corona unterstreichen den konzeptionellen Kern des Schulversuchs „Universitätsschule Dresden“ von Anke Langner & Maxi Heß (noch unveröffentlicht, erscheint demnächst in PraxisForschungLehrer*innenBildung – Zeitschrift für Schul- und Professionsentwicklung auf www.pflb-journal.de).

Schwarzer Punkt = nicht infiziert
Roter Punkt = infiziert / erkrankt
Grüner Punkt = gesundet


Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Unklarer Zeithorizont der Dauer für die die zu treffenden Maßnahmen und Anpassungen im Bildungsbereich erforderlich sind.
  • Bearbeitungsidee: Konsens (und somit gemeinsame Grundlage für Diskussionen und Planung) schaffen über die Dauer, für die Änderungen erforderlich sind. Eingeständnis, dass sich der schulische Betrieb mindestens bis zum Jahresende an die Pandemie anzupassen hat.
  • erhoffte Effekte: Vorläufige Klarheit, mehr Planungssicherheit, mehr Flexibilität und Forderung nach breiter angelegtem Gestaltungsspielraum. Leitidee “Weg zurück in alte Normalität” nicht tragfähig. Einsicht in die Erfordernis anderer Lösungen erhöhen.

Vorschlag von em. Prof. Dr. Hans Brügelmann (Universität Siegen):

  • Herausforderung: Erweiterung der Notbetreuung zu einem Angebot an alle Familien, die ihre Kinder lieber in KITA oder Schule geben, weil sie sie zu Hause nicht angemessen betreuen können, oder die von der Einrichtung eingeladen werden, weil die Pädagog*innen einen besonderen Bedarf für diese Kinder sehen
  • Bearbeitungsidee
    1. Schritt: Klärung der hygienischen Bedingungen und personellen sowie räumlichen Möglichkeiten in der einzelnen Einrichtung selbst sowie Klärung des erwartbaren Bedarfs nach definierten Kriterien (systemrelevante Berufe, alleinerziehend, Unterstützungsbedarf des Kindes).
    2. Schritt: Absprachen im Rahmen der kooperativen Absprachen zwischen den Leitungen verschiedener Einrichtungen, um angesichts unterschiedlicher Kapazitäten ggf. Ressourcen zu verschieben.
    3. Schritt: Klärung der Angebotsmöglichkeiten: zeitlich kürzere/ längere Anwesenheitszeiten für die einzelnen Kinder je nach Möglichkeiten der einzelnenEinrichtung (z. B. Stunden pro Tag, nur alle zwei Tage, Jahrgangsmischung…), Zuordnung der Betreuungspersonen, Staffelung der Ankommens- und Pausenzeiten 4. Schritt: Wenn die Ressourcen nicht reichen: Priorisierung innerhalb der Einrichtung, um Angebot und Bedarf in Einklang zu bringen.
  • erhoffte Effekte: Statt Verordnung von oben übernehmenEltern in Abstimmung mit den Pädagog*innen bewusst die Verantwortung für die Risikoabwägung zwischen Bildungsansprüchen ihren Kindern und dem familiären Betreuungsbedarf einerseits, den gesundheitlichen Risiken für die Kinder und die Bezugspersonen zu Hause andererseits.

Vorschlag von Prof. Dr. Martin Heinrich (Universität Bielfeld):

  • Herausforderung: Für die Organisation sowohl des öffentlichen Schulunterrichts als auch zivilgesellschaftlich organisierter Lernzirkel fehlen Räumlichkeiten, um die Gruppengröße von fünf Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen.
  • Bearbeitungsidee: Derzeit stehen im öffentlichen Raum vielfältige Räumlichkeiten ungenutzt leer, obgleich sie über die notwendigen sanitären Einrichtungen verfügen würden. Dies gilt beispielsweise für Sportheime, Gemeindehäuser, Theater und ähnliche Orte. Hinzu kommen die Räumlichkeiten von Bildungseinrichtungen und Kongresshotels. Der Bund könnte solchen Einrichtungen eine niedrige Solidarmiete anbieten, um die Räumlichkeiten nutzen zu können. Für die entsprechenden Vermieter*innen würde somit eine Entschädigung für den Aufwand möglich und zugleich eine Nutzung der ansonsten jetzt ungenutzten Räumlichkeiten. Zudem könnte der Bund in dieser besonderen Situation für diese Räumlichkeiten eine Haftpflichtversicherung übernehmen.
  • erhoffte Effekte: In den nächsten Wochen erhalten die Lerngruppen einen Lernort, an dem sie sich in Ruhe treffen können. Die Räume in einem Sportheim oder einem Gemeindehaus könnten dann ein sicherer Ort sein, zu dem man morgens gerne hingeht – sicherer auch als eine Schule mit Abstandshaltern und unzureichender hygienischer Versorgung.

Vorschlag von Anne Fabian-Puchinger, Grundschullehrerin und Mutter dreier Kinder aus Mannheim

  • Herausforderung: Schulstart und Biorhythmus in Einklang bringen
  • Bearbeitungsidee: Schulstart morgens künftig frühestens ab 8.30 Uhr. Während der Krise muss kein Kind so früh aufstehen wie sonst. Bei uns und vielen Freunden gibt es nun gegen 8 Uhr Frühstück, gegen 9 sitzen die Kinder gut gelaunt und wirklich startbereit an ihren Arbeiten. Der frühe Schulstart in Deutschland (ab 7.15 Uhr!!) war in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder heiß diskutiert. Meines Wissens nach verhinderten Traditionalisten und v.a. Eltern aus landwirtschaftlichen Berufsgruppen eine zeitgemäße Veränderung. Unsere europäischen Nachbarländer machen vor, dass es geht und gut tut. Also lasst uns die Diskussion nochmals führen und die Kinder in die Diskussion um die Zeitstruktur mit einbeziehen! Auch unter ihnen gibt es Lerchen und Eulen, solche, die lieber am Stück, und andere, die lieber im Wechsel arbeiten.
  • erhoffte Effekte: Die Kinder müssten nicht gegen ihren Biorhythmus kämpfen, sondern könnten bereits ab der 1. Stunde sortiert und bereit arbeiten.

Kontakt halten

Vorschlag von Gabriele Klenk (Schulleiterin)

  • Herausforderung: Kontakt zwischen Lehrkräften den Schüler*innen halten
  • Bearbeitungsidee: Wir praktizieren an meiner Grundschule gerade sehr erfolgreich neben Mailingliste, Telefonaten und dem Einsatz von Padlets für die Klassen auch das offene Fenster: An einem bestimmten Tag, der den Klassen mitgeteilt wird, ist ein Fenster im Erdgeschoss von 8.00 bis 18.00 geöffnet. Es ist den Kindern bekannt, zu welchen Zeiten welche Lehrkraft dort steht, um Lernpakete auszuteilen und Hefte etc. wieder entgegen zu nehmen. Die Kinder können kommen, wann sie wollen, denn es gibt dort die Lernpakete für alle Klassen. Viele versuchen es einzurichten, ihre Lehrerin zu sehen. Im Laufe von 12 Stunden waren sehr viele Kinder da, haben sich auch mit Abstand unterhalten und alle waren darüber sehr froh, ganz besonders die Lehrkräfte. Auf diese Weise werden wir nun auch 2 Flüchtlingskinder aufnehmen, mit Dolmetscher.
  • erhoffte Effekte: Die Beziehungen zur Schule als sozialem Raum und ganz persönlich zwischen den Kindern und ihren Lehrer*innen werden gestärkt.

Vorschlag von Ulla Widmer-Rockstroh, Grundschullehrerin aus Berlin (leider i.R.)

  • Herausforderung: Kontakt zwischen Schüler*innen und Pädagog*innen halten und pflegen.
  • Bearbeitungsidee: Die Klassenlehrer*in (ggf. in Kooperation mit der  Erzieher*in der Klasse) hat jede Woche einmal persönlichen  Kontakt mit jedem Kind – telefonisch oder Email oder Postbrief oder…- erzählt mit ihm, erkundigt sich nach Fragen die Schularbeiten betreffend, lässt sich etwas vorlesen oder… (das wäre zeitlich bei ca. 25 Kindern pro Klasse wöchentlich möglich). ODER / UND: Die Klassenlehrer*in (+Erzieher*in) richtet wöchentlich 1x einen Zoom-Raum ein, in dem sie sich mit den Kindern trifft und plaudert …
  • erhoffte Effekte: Die Kinder erleben ihre Pädagog*innen als weiterhin für sie wichtige Personen, denen sie bedeutsam sind, die Interesse an ihnen haben und sich um sie kümmern und die sie etwas fragen können, was ihnen zu Hause vielleicht nicht beantwortet werden kann. Und die Pädagog*innen erleben unmittelbarer, wie es ihren Kindern zu Hause geht und wie sie sich auf die Zeit nach der C-Krise im einzelnen vorbereiten müssen. Dieser persönliche Kontakt ist bedeutsam für den LEBENSRAUM Schule. Ganz besonders wichtig ist er für die Kinder der Anfangsklassen.

Vorschlag von Karl-Heinz Heinemann, Koordinator des Gesprächskreises Bildungspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Köln

  • Herausforderung: Sich treffen –  und Lernen –  in kleinen Gruppen ist notwendig, braucht aber vor allem bei jüngeren Kindern auch Anregung und Gestaltung
  • Bearbeitungsidee: Lehramtsstudierende  als Lernbegleiter einsetzen. Das kann als Praktikum studienrelevant angerechnet werden und sollte bezahlt werden. Vielen Studierenden sind ja durch Corona die Erwerbsquellen weggebrochen. Ähnliches wird ja schon in den Kliniken mit Medizinstudierenden praktiziert. Für die Bezahlung würde sicher ein Bruchteil der 500 Mio ausreichen, die nun für die Anschaffung von Endgeräten fürs Homeschooling vorgesehen sind.
  • erhoffte Effekte: Sie müssen nicht mit den Kids den Lehrplan abarbeiten, aber ihnen helfen, unter den neuen Bedingungen zurecht zu kommen, Begegnungsräume eröffnen udn als AnsprechpartnerInnen neben der oft überforderten Familie zur Verfügung zu stehen. Das wäre vor allem für die Kinder und Jugendlichen wichtig, denen mit der Anschaffung von Endgeräten wenig geolfen ist,  weil in ihren Familien erstens kein Internetanschluss vorhanden ist und zweitens niemand damit umzugehen weiß, und die, drittens, den persönlichen Kontakt besonders brauchen.

Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Ausfall von Lehrer*innen in der Corona-Zeit (durch Quarantäne, Kinderbetreuungserfordernisse u.ä.) auffangen
  • Bearbeitungsidee: Einrichtung von jahrgangsweisen “Lernbüros” pro Fach (analog/digital –> stattklassenweisem 45-Min.-Unterricht) in Kombination mit Wochenplänen für die Schüler*innen
  • erhoffte Effekte: Lehrermangel in einzelnen Klassen führt nicht zu Abstrichen an der Unterrichtsversorgung; selbstständiges Lernen wird gefördert

Vorschlag von Kordula Hermann, Grundschullehrerin aus Münster

  • Herausforderung: zu große Lerngruppen, um Hgienestandards einhalten zu können.
  • Bearbeitungsidee: Homeschooling in kleinen Gruppen und in alternativen Räumen außerhalb von Schule. Dazu das rollierende System mit einem Präsenztag pro Woche und einem gemeinsamen Tagesbeginn der kompletten Lerngruppe via Zoom
  • erhoffte Effekte: langfristig praktikabel, erhält kleine Lerngruppen, individuell, Bindung, Orientierung

Abstand halten

Vorschlag von em. Prof. Dr. Hans Brügelmann (Universität Siegen):

  • Herausforderung: Auch jüngere Kinder sollen Abstand halten. Aber was bedeutet das konkret?
  • Bearbeitungsidee: Ein kleines Projekt, in dem die Kinder handelnd Aufgaben zum Thema „Wie viel sind 1,5 Meter?“ bearbeiten. Konkrete Anregungen finden sich auf der Seite von PIK AS – Deutsches Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (Pdf zum Download).
  • erhoffte Effekte: Konkrete Erfahrung abstrakter Regeln – und mathematisches Lernen in sozial bedeutsamer Funktion.

Ungleichheit vermeiden
(Inklusion, technische Ausstattung)

Vorschlag von Philine Schubert, Schulleiterin und ZuP-Leiterin Kinderschule, Bremen

  • Herausforderung: Inklusion und Teilhabe zur Bildung weiterhin umsetzen
  • Bearbeitungsidee: Die Teilhabe zur Bildung §112 SGB und die Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche ist definiert. Die eingesetzten Assistenzen/Schulhelfer*innen sind momentan größtenteils zu Hause und warten darauf, dass „ihr“ Kind wieder in den Unterricht bzw. die Betreuung kommt. Diese Hilfe müsste sofort zur Teilhabe auch für den Unterricht an einem anderen Ort (zu Hause, in außerschulischen Lernzirkeln, außerschulischen Projekten wie einer „LernBrücke“) eingesetzt werden.
  • erhoffte Effekte: Unterstützung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und deren Familien, durchdachter und effektstarker Einsatz bereits vorhandender personeller Ressourcen.

Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Schüler*innen haben zuhause nicht unbedingt einen eigenen Computer oder ein eigenes Smartphone. Endgeräte zur Aufgabenerledigung stehen nicht allen Schüler*innen jederzeit zur Verfügung, vor allem wenn Eltern gleichzeitig im Homeoffice arbeiten.
  • Bearbeitungsidee: Wo immer möglich kann der Schulträger kurzfristig Leihgeräte für Schüler*innen organisieren. Wo dies nicht möglich ist, können alte Laptops mit speziellen, fürs Lernen gedachten Linux Distributionen (wie Sugar, Sugar on a Stick, Edubuntu, ubermix) ausgestattet werden, die selbst auf vielen sehr alten Geräten laufen und sehr einfach zu installieren sind. Ehrenamtliche können in die Sammlung und das Aufsetzen der Laptops eingebunden werden, um so Lehrkräfte und Schulen zu entlasten. Wo kein Internetzugang vorhanden ist, können vielleicht Initiativen wie Freifunk mit öffentlichen Routern in der Nähe aushelfen.
  • Erhoffte Effekte: allen Schüler*innen Zugang zu digitalen Lernmaterialien und Lernumgebungen geben und eine zuverlässige Kommunikationsmöglichkeit zwischen Lehrenden und Lernenden sowie zwischen Schüler*innen selbst sicherstellen, Isolation abmildern

Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Ungleiche Ressourcenausstattung (materiell sowie mit Bezug auf Kompetenzen) von sowohl Lehrpersonen als auch von Schülerinnen und Schülern für digitale Lernarrangements
  • Bearbeitungsidee: Frühzeitig und systematisch prüfen und gewährleisten, dass alle, die in Lehr-Lernprozessen eingebunden sind, über die erforderlichen materiellen Möglichkeiten sowie über die Kompetenzen für eine angemessene Verwendung der eingesetzten Hard-/Software verfügen.
    Schaffung von guten und gleichen Lernausgangsbedingungen in digitalen Lernarrangements. Zur materiellen Ausstattung gehören alle Medien und Instrumente, die ein flexibles und adaptives Unterrichten ermöglichen, und somit sicherstellen, dass sich schulischer Präsenzunterricht mit dezentralisierten Lernphasen wie Homeschooling oder Lernen in digitalen oder außerschulischen Kleingruppen reibungsarm verbinden lässt. Gleichzeit ist eine Vielseitigkeit von Vermittlungsformen bereitzustellen, die direkt an Interessen und Fähigkeiten der Lernenden anknüpft. Zeit zum Einüben gewährleisten.
  • erhoffte Effekte: Vollumfängliche Sicherung basaler Voraussetzungen, um digital Formen des Unterrichts auszuprobieren und mittelfristig umzusetzen

Vorschlag von N.N.

  • Herausforderung: Erreichbarkeit aller Schüler:innen
  • Bearbeitungsidee: Schulfernsehen als flankierende Maßnahme.
  • Beispiel für gute Praxis: https://www.rtp.pt/play/estudoemcasa, Kooperationsmöglichkeiten mit Gaming Platformen ausloten und Unterrichtsformen für dieses Medium  entwickeln und anbieten
  • erhoffte Effekte: Verbesserte Erreichbarkeit von schwer erreichbaren SuS, Beitrag zur Tagesstrukturierung und Anleitung von Lernprozessen, Entlastung von Eltern

Hygiene (z.B. Toiletten)

Vorschlag von Tina M. aus Heidelberg

  • Herausforderung: Ausreichend Waschmöglichkeiten und Toiletten in Kitas und Schulen
  • Bearbeitungsidee: Kinderdixi-Toiletten haben während der Bäderrenovierung in der Kita super funktioniert, ähnlich gibt’s auch Waschrinnen für draußen
  • erhoffte Effekte: Mehr Kita Kinder können zurück in den Kindergarten und die Schule

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